Interview mit Star-Parfümeur Yann Vasnier über den neuen Valentino-Duft - séduction Magazin Schweiz Swiss Edition
Parfum

Interview mit Star-Parfümeur Yann Vasnier über den neuen Valentino-Duft

Von Redaktion 28. Juli 2026
Credit: Valentino PR
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Star-Parfümeur Yann Vasnier über seinen neuesten Coup für Valentinos »Anatomy of Dreams«-Kollektion, die Magie des Weglassens und warum ein Duft immer auch ein Stück Heimat in sich trägt.

Valentino steht für höchste Handwerkskunst – wie spiegelt sich dieser »Couture-Gedanke« in den Rohstoffen für den achten Duft der »Anatomy of Dreams«-Kollektion wider?

Couture bedeutet für uns die Freiheit, nur die kostbarsten Rohstoffe zu wählen. Die Leder-Note ist dabei das Herzstück – ein Akkord, der in der kommerziellen Parfümerie kaum Platz findet. Und wir arbeiten mit Rohstoffen, die aufgrund ihrer Seltenheit in der kommerziellen Parfümerie undenkbar wären, wie Iriswurzel, indischer Jasmin und Ambrettesamen, um das Thema Leder neu zu interpretieren. Statt auf herbe Schwere setzen wir auf frische Veilchenblätter und Patchouli, sie verleihen dem Duft eine fließende Harmonie. Es ist wie in der Mode – wir veredeln »komplizierte« Details zu einem geheimnisvollen Ganzen.

Und inwiefern unterscheidet sich der handwerkliche Prozess für diese Kollektion von einem kommerziellen Duft?

Nehmen wir unseren indischen Jasmin: Durch eine hochspezifische Veredlung werden die animalischen Nuancen entfernt, bis nur das reinste, strahlende Herz bleibt. Von dieser kostbaren Essenz werden jährlich nur etwa fünf Kilogramm hergestellt – ein wahres Juwel der Haute Parfumerie.

Der Duft ist vom Boudoir inspiriert. Wie übersetzt man diese intime Atmosphäre in eine moderne Struktur, ohne dass es zu nostalgisch wird?

Den Brückenschlag zur Moderne schaffen wir durch Licht und Textur. Während rauchige Nuancen und florale Akkorde an die Intimität eines Boudoirs erinnern, schenkt ein innovativer Moschus-Komplex dem Duft seine Brillanz. Das Ergebnis ist eine faszinierende Geschmeidigkeit, die auf der Haut regelrecht strahlt. So verwandelt sich die schwere Sinnlichkeit des Boudoirs in eine zeitgemäße Sanftheit.

Duft-Ikone: Yann Vasnier ist bekannt für seinen modernen Stil; Credit: Valentino PR

Das Boudoir wurde historisch oft floral interpretiert – Sie fügen Leder- und Rauch-Noten hinzu. War es Ihr Ziel, einen Raum zu schaffen, in dem sich jede Geschlechtsidentität zu Hause fühlt?

Absolut. Das Herzstück dieser universellen Anziehung ist der Moschus. Er fungiert wie ein olfaktorisches Chamäleon, das individuell auf die Chemie jedes Hauttyps reagiert. Während die Komposition an einem Mann oft ihre rauchigen, holzigen Facetten betont, entfaltet sie auf weiblicher Haut meist eine weichere, blumige Rundung. Dieser Duft schafft einen Raum ohne Grenzen.

Welcher Aspekt der Stadt Rom – der Heimat Valentinos – floss in die Kreation von »Amour sans détour« ein?

Rom ist eine Stadt der ewigen Kontraste. In die Kreation floss die monumentale Kraft der antiken Mauern ebenso ein wie die opulente Weichheit edler Couture-Stoffe – von schwerem Samt bis zu fließender Seide. Wir haben das Spiel von Licht und Schatten in den römischen Gärten eingefangen, in denen die Iris ihre stolze Blüte zeigt. Es ist diese Balance aus Tiefe und strahlender Geschmeidigkeit, die den Duft so lebendig macht.

Sie selbst sind in der wilden Natur der Bretagne aufgewachsen und haben nun einen sehr »römischen« Duft kreiert. Findet sich ein Stück Ihrer bretonischen Wurzeln auch in der Opulenz dieses Duftes wieder?

Ja, es ist eine sehr persönliche Reise. Die erdigen Akzente sowie der Duft von Iris und Veilchen begleiten mich seit meiner Kindheit in der Bretagne. In Rom fühlte ich mich sofort heimisch. Die Pinien und Gräser der Pampa erinnern mich stark an die weiten Dünen der Atlantikküste. Lediglich die strahlenden Orangenblüten und Zitrusnoten fügen dieser vertrauten Welt ein mediterranes Leuchten hinzu.

Sie haben bei der legendären Françoise Caron gelernt. Welchen Rat von ihr haben Sie bei Ihrer Arbeit immer im Hinterkopf?

Ich erinnere mich noch gut an meine Anfänge: Sie meinte damals scherzhaft, ich würde zu viel lächeln – die Pariser seien schließlich nicht so gastfreundlich. Aber Spaß beiseite, ihre Arbeitsweise war vor allem extrem effizient. Sie liebte das Auffällige, das Elementare und das leicht Verständliche. Das ist es, was mir von unserer Zusammenarbeit am tiefsten in Erinnerung geblieben ist: die Kunst, all jene Dinge wegzulassen, die man eigentlich gar nicht braucht.

Text von: Sylvia Buchacher

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